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Von Vorsicht und Reiselust: Trendumfrage im Juli 2020

Wie sieht die Reisebereitschaft in Zeiten der Corona-Pandemie aus? Eine Trend-Umfrage des Institute for Aviation and Tourism zeigt, dass vor allem die Sorge vor nicht-erstattungsfähiger Stornierung als Hauptgrund angegeben wird, eher nicht zu reisen. Oder auch, dass die echten „Reise-Junkies“ sich kaum vom Reisen abhalten lassen. Manuel Wehner gibt weitere Einblicke.

Die Pandemie hat auch mein Reiseverhalten auf den Kopf gestellt. Statt Weltenbummler bin ich jetzt Nordsee- und Alpentourist, halte mich in Bezug auf globale Fallzahlen und Einreisebestimmungen auf dem Laufenden und stehe ungeduldig in den Startlöchern, um gemeinsam mit meiner Freundin endlich wieder mit gutem Gefühl ihre Familie in Malta zu besuchen. 
Beim Amadeus Executive Round Table, an dem die Frankfurt University of Applied Sciences unter der Leitung von Professor Rupprecht teilnimmt, führen wir uns seit Mai erschütternde Buchungskurven vor Augen. Wir haben daher im Juli eine der ersten Aktionen aus der Initiative abgeleitet und eine Umfrage mit dem Ziel aufgesetzt, aus den Antworten auf 27 Fragen zum privaten Reiseverhalten mit Fokus auf Deutschland bzw. die DACH-Region ein Stimmungsbild zu zeigen. Dank der tatkräftigen Unterstützung unserer Studierenden bei der Auswertung können wir nun bereits erste Einschätzungen geben, wie aktuell Reiseanreize geschaffen werden können.

Sorge vor nicht-erstattungsfähiger Stornierung
Was sind die Gründe für die aktuell geringe Reisebereitschaft? Hier rangiert vor allem bei den Nicht-Reisenden die Sorge vor nicht-erstattungsfähiger Stornierung noch vor Einreisebestimmungen oder Quarantäne-Verordnungen. Wenig-Reisende nennen die Einreisebestimmungen in der Zieldestination als Hauptgrund.

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Flexibilität ist Trumpf
Entsprechend wichtig sind flexible Stornierungs- und Umbuchungsmöglichkeiten. Befragt nach verschiedenen Anbietern schneiden Hotels sowie Mietwagen- und Ferienhaus-Anbieter am besten ab. Kreuzfahrt-Anbieter, Airlines und Reiseveranstalter können ihre Buchungschancen demnach durch zusätzliche Flexibilität bei der Buchung erhöhen.

Wahl des Verkehrsmittels wird durch das Motiv der Kontaktvermeidung beeinflusst, aber auch durch den Wunsch nach Komfort
Das Auto liegt wenig überraschend bei den bevorzugten Transportmitteln vor dem Fahrrad, dem Zug, der Bahn und dem Flugzeug. Während der Pandemie gilt: je individueller, desto besser. Warum welches Verkehrsmittel bevorzugt wird, ist offensichtlich auch altersabhängig. Je älter die Reisenden, desto unbedeutender werden die Attraktivität der Verbindung und der Preis und desto bedeutender werden die Kontaktvermeidung und das Hygiene-Konzept. Anders ausgedrückt: Jüngeren Reisenden ist eine gute Reiseverbindung nach wie vor am wichtigsten.

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Vertrauen in die Hygienemaßnahmen
Den Hygienevorschriften in Hotels, Terminals, Restaurants und Flugzeugen wird mehr Vertrauen geschenkt als jenen auf Kreuzfahrtschiffen, in Fernbussen und an öffentlichen Orten. Übrigens: 91 Prozent der Befragten erachten die Maskenpflicht in Flugzeugen, Zügen und dem ÖPNV als sinnvoll.

Kontaktloses Reisen und Digitalisierung
„Durch Corona tut sich was“, so könnte umgangssprachlich die Zusammenfassung zum Themenblock Digitalisierung lauten. Der biometrische Reiseverlauf ist schon lange ein Thema; Amadeus setzt diesbezüglich seit zwei Jahren konkrete Projekte um. Hier ist Akzeptanz das entscheidende Stichwort. Bereits 2013, während meiner Zeit bei Fraport am Flughafen Frankfurt, beobachtete ich die Zurückhaltung deutscher Reisender bei der biometrischen Grenzkontrolle. Die deutlichen Steigerungsraten bei Akzeptanz und Nutzung über die Jahre sind sicherlich neben Effizienzgründen und Gewöhnungseffekten auch auf die datenschutzkonforme Nutzung und Löschung der ausgelesenen Daten zurückzuführen.

Mit der Pandemie rücken Bedenken gegenüber digitalen Lösungen offenbar zunehmend in den Hintergrund. Bei mehr als der Hälfte der Befragten würden Lösungen, die "kontaktloses" Reisen ohne Interaktion mit Menschen und Automaten ermöglichen, die individuelle Reiseentscheidung positiv beeinflussen. Allerdings nutzt erst ein Drittel eine digitale Identität. Zwei Drittel wären bereit, im Sinne eines Corona-sicheren Reiseerlebnisses sowohl biometrische Daten als auch Gesundheitsinformationen zur Verfügung zu stellen. Unter denjenigen, deren Reiseentscheidung durch die Möglichkeit des kontaktlosen Reisens positiv beeinflusst würde, wären sogar 9 von 10 Befragten bereit, ihre biometrischen Daten in eine App zu laden. Diese überraschend hohen Werte stellen eine Chance und zugleich einen Auftrag an die Branche dar, kontaktlose Prozesse voranzutreiben, dabei den Vertrauensvorschuss nicht zu verspielen und somit letztlich die Nachverfolgung von Infektionsketten zu ermöglichen. Wir sind sehr gespannt zu beobachten, wie sich diese Verhältnisse im weiteren Verlauf der Pandemie und mit dem Angebot neuer digitaler Lösungen verschieben werden.

Reisefreudiges Klientel ist optimistischer als Wenig-Reisende
Befragte, die zurzeit nicht reisen, tun sich mit der Einschätzung schwer, wann sie wieder glauben reisen zu können wie vor der Corona-Pandemie. Je mehr die Befragten reisen, desto optimistischer sieht ihre Prognose aus. Hoffnung gibt der Blick auf die Reiselust. Insgesamt sagen fast die Hälfte der Befragten, dass sie momentan deutlich weniger reisen als gewöhnlich.[E1] Vor allem Reisende mit normalerweise vier bis zehn Reisen pro Jahr üben sich aktuell im Verzicht. Reisende mit bis zu drei Reisen pro Jahr ändern ihr Reiseverhalten erwartungsgemäß am wenigsten. Vielreisende mit über zehn Reisen pro Jahr reisen zwar zu knapp 40 Prozent aktuell deutlich weniger, interessanterweise geben jedoch über 40 Prozent an, aktuell genauso viel zu reisen wie vor Beginn der Pandemie.
Ich selbst zähle zu denjenigen, die mehr als zehnmal pro Jahr aus privatem Anlass verreisen. Und natürlich habe auch ich eine Bucket List: Einige peruanischen Berge warten schon sehnsüchtig auf meine neuen Wanderschuhe und der Ayers Rock strahlt schon beim Gedanken an meine Kamera im wunderbar rot-staubigen Abendlicht. Nachdem ich allerdings im März fast in Mexiko gestrandet wäre und nur mit ungewünschtem Nervenkitzel über New York ausreisen konnte, ist für mich aktuell besonders wichtig, alle Regelungen und Vorschriften entlang der gesamten Reisekette zu kennen. Begeistert hat mich beispielsweise die Auskunft des ADAC für meine Gardasee-Reise per PKW mit Details wie Mitfahrerbeschränkungen oder Maskenpflicht in allen beteiligten Ländern. Mein Urlauberherz im Sturm erobern wird, wer es schafft, mir relevante Änderungen für meinen individuellen, einmalig erfassten Reiseverlauf "von Haustür zu Haustür" unter Berücksichtigung meiner Verkehrsmittelwahl per Push-Notification aufs Handy zu senden.

Regelmäßig "den Puls fühlen"
In unserem noch jungen Institut haben wir uns die strategische Neuausrichtung der Luftverkehrs- und Tourismusbranche als Fokusthema auf die Fahne geschrieben. Gerne tragen wir dazu bei, konkrete Ansatzpunkte zu finden, um diese Neuausrichtung aus Sicht der praxisorientierten Wissenschaft zu begleiten. Wir fokussieren uns unter anderem auf neue Geschäftsmodelle, Prozesse, Nachfragestrukturen und Technologien. Ich freue mich auf Ihre Anregungen (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!) und ich bin begeistert über die Kontakte, die ich bereits im Rahmen der Executive-Round-Table-Initiative knüpfen konnte. Dabei hat unsere Arbeit gerade erst begonnen. Die Umfrage war ein erster Schritt hin zu einem besseren Verständnis der Chancen und Risiken, die diese Pandemie birgt. Denn in dieser hochsensiblen Zeit können sich Rahmenbedingungen – insbesondere die Sorgen, Wünsche und Einschätzungen aller reiseinteressierten Menschen – täglich ändern. Indem wir den potenziell Reisewilligen den Puls fühlen, können wir Maßnahmen ableiten, um Corona-sicheres Reisen zu ermöglichen, zusätzlich Vertrauen zu schaffen und neue Reiseanreize zu setzen

Zur Umfrage
Entstanden ist die Initiative im Rahmen des Amadeus Executive Round Table „Neustart der internationalen Mobilität & Reisebranche“. Sie ist ein Ergebnis des kollaborativen Netzwerks, das seit Mai die ersten Früchte trägt. Beteiligt an dieser Umfrage sind das Institute for Aviation and Tourism (IAT, i.G.) der Frankfurt University of Applied Sciences in Kooperation mit Amadeus in Deutschland. 
Die vorliegende Trend-Umfrage wurde als Pilotprojekt mit einer Teilnehmerzahl von etwa 300 gestartet, darunter viele Touristik-Insider und Studenten mit relativ hohem Bildungsniveau. Die Altersstruktur reicht von 18 Jahren bis ins Rentenalter. Unser Plan ist es, in regelmäßigen Abständen gemeinsam weitere, zukünftig auch repräsentative Umfragen durchzuführen und die Fragen entsprechend der aktuellen „Corona-Lage“ anzupassen. Das IAT und Amadeus setzen dabei auch weiterhin auf das Branchennetzwerk: Bitte teilen Sie den Link zur nächsten Umfrage, damit wir möglichst viele Antworten auch von Endkunden erhalten. Diesen Link werden wir über unsere Medien voraussichtlich Mitte September kommunizieren.

Über den Autor: Manuel Wehner

Manuel Wehner ist seit Juli 2020 Projektleiter für die Gründung und den Aufbau des Institute for Aviation and Tourism (IAT, i.G.) sowie einer studentischen Unternehmensberatung an der Frankfurt University of Applied Sciences. Zu den Fokusthemen des Instituts zählt die aktuelle strategische Neuausrichtung der Luftverkehrs- und Tourismusbranche. Im Rahmen des neuen Jobs interessiert er sich nicht zuletzt für innovative Technologien und nachhaltige Konzepte abseits des Massentourismus. Mit einem Masterabschluss in Management and Technology an der TU München sowie einem dualen Bachelorabschluss in Luftverkehrsmanagement sieht er sich inhaltlich gerüstet für die spannende Gründungsphase des Instituts. Während seiner Tätigkeit als Fachreferent der Fraport AG leitete er u.a. ein Projekt zum Testbetrieb von autonomen Shuttlebussen am Flughafen Frankfurt.
Auch privat ist Manuel Wehner beiden Branchen mit seiner großen Reisefreude eng verbunden. Ob als Backpacker zwischen Luang Prabang und Phnom Penh, als Austauschstudent im Flieger von Querétaro nach Havanna oder als Praktikant auf dem Weg von Riad zu den Pyramiden von Meroe – sofern keine Pandemie oder Arbeit in die Quere kommt, finden Sie ihn mit hoher Wahrscheinlichkeit irgendwo zwischen Bangkok und Vancouver Island beim Erkunden und Entdecken der Welt.

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Horizonte erweitern.